Honda VT 500 E

Come Out on this Fine Honda

Der Kauf

Gäääähn

Ein Tag im Mai 2004. 4:00 Uhr, der Wecker piept. Viele Stunden vor seiner üb­lichen Dienstzeit. Aber es gibt einen guten Grund! In der Brief­tasche war­ten zwei Zet­tel auf ihren Ein­satz: Bahn­fahr­karten, ein­mal teuer: Normalpreis Sü­der­brarup – Ham­burg, ein­mal su­per­gün­stig: Surf & Rail Ham­burg – Mann­heim (und zu­rück nach Ham­burg, aber da­für lau­tet der Plan ei­gent­lich an­ders).

Also schnellschnell ein Tass Kaff und zwei Toasts, die schwere Tasche mit neuer Hein-Gerippe-Jacke, neuem Schuberth-Helm, alter Polo-Latzlederhose, uralten Knobel­bechern, neuer Luise-Regenkombi plus allerlei Kleinkram und Wegzeh­rung geschultert und dann ab nach Süder. Den Zug zu verpassen wäre nun wirk­lich ärgerlich. Klappt auch alles auf fünf Minuten genau, und ich krabble mit ein paar müden Pendlern in den Zug.

Alle reden vom Wetter – wir nicht: eine Bahnfahrt

Eine Festplatte tut nix ins Altpapier: der historische VT-Kauf-DB-FahrplanDie Bahnfahrt nach Kiel ist eher mühsam, aber dort wartet schon der schöne, schnelle, leise ICE auf mich. Wg. dem hatte ich Kumpel Heinrich einen Korb gege­ben, der sich schon gefreut hatte, mich stundenlang unter Einsatz seiner bewährten 64‑Diesel‑PS nach Egels­bach zu schau­keln und dabei mit mir die Ver­kehrslage, die Weltlage und über­haupt alles zu erörtern. Dem bin ich ja eigent­lich auch gar nicht abge­neigt, aber man muss Prioritäten setzen können, und die lagen beim ICE-Komfort und ‑Tempo. Weil, der anstrengendere Teil des Tags kommt ja erst hinterher!

Um 11 Uhr dann FFM Hbf, ab in die S‑Bahn, und um 11:44: Egelsbach.

Man ahnt es ja schon – dort gibt es eine VT 500 E zu kaufen.

Entscheidungsfindung

Warum soll es dieses Modell sein? Hmja. Zuviel Leistung brauch ich eigentlich nicht. Auch sollen es allerallerhöchstens drei Zylinder sein, lieber nur zwei oder einer: 40 % aller real existierenden Maschinen kommen schon gleich nicht mehr in Frage. Verkleidung? Nein danke. Mit dem Schmieren von Antriebsketten will ich mich eigentlich in meinem fort­geschrittenen Alter nicht mehr plagen: sämt­liche Einzylinder entfallen (oder kennt jemand einen Single mit Kardan?). [Ein paar Monate später: ja, doch, sowas gab es von BMW, sogar in hohen Stück­zahlen. Die letzte war die R 27.] Auch sollte das Gewicht der Maschine die nach­lassenden Körperkräfte nicht über Gebühr strapazieren: XS 750/850, große BMWs und große Guzzis sind aus dem Rennen. Zuverlässigkeit kann nicht schaden: tschüs, kleine Guzzis. Suzukis fallen wg. Vorurteil sowieso aus. Die kleinen BMWs waren mir noch nie sympathisch. Allzuviel Geld will ich nicht aus­geben: NTVs sind noch zu teuer.

Und siehe, es bleibt die VT 500 E übrig: ausreichende 50 PS, gesunde Wasser­kühlung, Kardan, Durchschnittsverbräuche < 5 l/100 km, großer Tank/große Reich­weite und das alles bei einem angeblichen Trockengewicht von 179 kg und ohne preistreibende Fan-Gemeinde. Nachteile? Die Mädels drehen sich schon nach mir nicht um, nach einer drögen VT 500 E aber erst recht nicht: Posing-Faktor null. Weitere Nachteile fallen mir dann allerdings auch nicht ein.

Ein paar Wochen werden die Angebote in Avis, Autoscout und mobile verfolgt. Alles noch ein bisschen teuer – warum muss mir denn auch ausgerechnet im Mai einfallen, ein Motorrad zu kaufen. Sowas macht man im November … So sind die Angebote entweder zu teuer oder zu weit weg oder gleich beides.

Unter den zu weit entfernten ist auch SIE: Erstzulassung 1984, zugelassen, in erster Hand, Laufleistung 21.400 km, Reifen und Akku faktisch unbenutzt, weiß, Original­zu­stand plus Chrom-Gepäcker, 1100 Euro – ein Angebot wie gemalt, keine Frage. Aber Offenbach, nee, das geht wirklich zu weit.

So war sie inseriert – ein Angebot wie gemalt …Inserat bei mobile.de

Nach noch drei Wochen Marktbeobachtung hilft es aber nix: die Offenbacherin, die in Wirklichkeit eine Egelsbacherin ist, wird immer interessanter. Also dann doch mit dem Verkäufer telefoniert. Es ist, wie man es fast erwarten konnte, jemand, der das Motorrad­fahren aufgeben will/muss und die letzten Jahre schon mal sehr kurz getreten ist mit dem Fahren – seit der letzten HU zwei Jahre zuvor wurde die Maschine gar nicht gefahren … im Regen sowieso höchstens mal ver­sehentlich.

Noch mal ein paar Tage drüber gebrütet, und dann ist der Beschluss gefasst. Die Maschine verspricht zuviel, der Stress mit der Fahrt durch halb Deutschland und zurück muss ausgehalten werden für eine Besichtigung und den hoffentlich drauf folgenden Kauf.

Egelsbach – der Handel

So wartet Herr S., Anfang 60, Ruheständler, Hobby-Obstgärtner, um viertel vor zwölf in Egelsbach am Bahnhof auf mich, die Seriösität pur, ein Mann, dem man mehr oder minder bedenkenlos alles mögliche abkaufen würde. So präsentiert sich auch die VT: exakt wie erwartet. Wohl behütet, Reifen neuwertig, toll im Lack, nie auch nur umgefallen. Die schlimmste Mangel ist noch ein un­be­deu­ten­der wei­ßer Farbnebel am Fahrzeugheck wohl von irgendwelchen Malerarbeiten, bei de­nen zu wenig Abstand zur Maschine eingehalten wurde. Ein paar rostige Schrau­­benköpfe und ein klein wenig Flugrost am Gepäcker sind eher ein gutes Zeichen: die Maschine hat keine Verkaufsblendung erlitten, sondern ist eben in dem Zu­stand, in dem eine Maschine ist, die nach zwei Jahren Dorn­rös­chen­schlaf aus der Gara­ge geholt wird.

Fahren tut sie jedenfalls besser als ich nach meinen zwei Jahrzehnten Abstinenz. Alles funktioniert (nachdem Herr S. noch am Tag zuvor die vordere Licht­schal­ter­­hälfte ersetzen musste [mit einem Neuteil!, was das wohl gekostet hat …], weil sich das Fernlicht beim Vor-Verkaufs-Probelauf nicht wieder abblenden lassen wollte): Bremsen, Schlösser, Anlasser, Hupe, Lichter, Schaltung, alles. Und ein Topcase gäbe es auch noch dazu.

Da gibt es nur eines. Das Schimmelchen ist gekauft.

Meine VT 500 E im Herbst 2009Meine VT 500 E

Vertrag machen, Geld gegen Brief & Schlüssel tauschen, Zivilsachen im Topcase verstauen, den angebotenen Kaffee abschlagen, weil, jetzt muss doch was ge­schafft werden!, tanken, noch mal kurz verfahren (wenn man sich dumm genug anstellt, geht das sogar in Egelsbach) – und dann um 14 Uhr rauf auf die Dosen­­bahn, örks. Die ganzen Lastwagen sind schon da und zerren mit ihren Wind­schleppen an mir rum. Also schön mit 100, 110, 115 – oh, doch lieber 100 die A5 Richtung Norden, den neuen Helm mittels der nicht vorhandenen Nacken­­musku­latur gegen den Wind stemmend.

Autobahn – viel Wind, keine Kondition

Bei Kassel ruckelt die Maschine – oh Gott, was soll das, zum Tanken ist es doch noch zu früh? Dann stellt sich aber doch heraus, dass Honda von den 18 Litern des Tank­inhalts über 4 zur Reserve erklärt hat … alles im grünen Bereich also. Kurz vor Han­no­ver zehn Minuten Regen – macht nix, es ist eh schon so spät, dass die Regen­kombi als Schutz gegen die Kälte anbleiben kann. Die Geschwin­digkeit hat sich wg. ›ich-will-jetzt-endlich-nach-Haus‹-Syndroms bereits auf aben­teuerliche 125 km/h gesteigert. Harburger Berge – die Raststätte tot wie immer, nochmal tanken und weiter. Neumünster. Für die letzten 90 Kilometer nach Haus reichen die mentalen Kräfte nicht mehr, daher lieber schnell bei Freunden in Nortorf ein­kehren, sich nach dem harten Tag hegen und pflegen lassen und auch noch Connys Geburtstag mit­feiern dürfen.

Am nächsten Morgen, äh, Mittag um 11:45 bei der Zulassungsstelle. War natür­lich um 11:30 Annahmeschluss gewesen. Na gut, dann eben ohne eigenes Kenn­zeichen nach Haus. Mit meinem Schimmelchen. Die Nachbarn räumen mir freund­licherweise ein Plätzchen in ihrem Motorradschuppen ein, sodass die Maschine nicht im Carport Fummlern und Feuchtigkeit ausgesetzt sein muss.

In der Neuen Heimat

Die nächsten Wochen üb ich fleißig das Motor­rad­fahren, kurvige Strecken hat das Angeln­land dafür doch genug.

Die Maschine läuft zuverlässig. Die einzigen Probleme, die zwischen­durch zu be­heben sind, sind ein fest­gegammelter Kupplungszug und ein voll­ständig auf­ge­löster Schaumstoff-Luft­filter­einsatz. Und das Blinkrelais verlangt nach Fahrt­beginn erst nach einer ordentlichen Schräglage, ehe es sich zur Arbeit be­quemt, um es den Rest des Tags anstandlos zu tun – typische Stand­schäden.

In der ersten Saison schaffen wir dann doch 7000 Kilometer – nicht schlecht nach den 21.000, die die Maschine in den zwanzig Jahren zuvor gemacht hat.


Kurventraining auf dem Heidbergring 2013

Kaffeebecher

Wollt ich doch mal wieder un­beschwert und bedenkenlos in Kurven reinhalten können, ohne dass Rollsplit, Sand, Rehe, Gülle­tankwagen etc. pp dahinter drohten.

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Der Tag mit der Street Triple

Street Triple von vorn

Die Triumph Street Triple war schon immer einer meiner the­o­re­­ti­schen Favo­ritinnen unter den neu­­modernen Motor­rädern: sie ist

  • leicht,
  • nackt,
  • verfügt über mehr als ausreichend Leistung,

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Internationale Presse­schau

Ohne

Die PC11 wurde außer in Deutsch­land natürlich auch in weiteren Staaten (West-) Europas ver­trie­ben, und die dortige Motor­rad­presse hat über das Motor­rad unserer Wahl ge­schrie­ben. Die bis­heri­gen E­rgeb­nisse mei­ner Re­cher­chen findest du in dieser Rubrik.

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Bücher

Clymer & Schrauberhandbuch

Einen Bucheli gibt es zwar nicht, al­ler­dings ei­nen Clymer für den­je­ni­gen, der mit der eng­li­schen Spra­che aus­rei­chend klar kommt:

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Darum eine VT 500 E

vt ueber aukrug anreisser

›Eine VT 500 E? Warum sollte ich solch einen alten Rochen fah­ren?!?‹

Tja, weiß nicht. Ich kann dir aber erzählen, warum ich das tue.

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Zum Launch

Geburtsanzeige

Wir schreiben den 16. März 2009.

Die Jubiläen ›40 Jahre XS 650‹ und ›30 Jahre SR 500‹ (2008) wurden wie selbst­ver­ständ­lich von der Presse gewürdigt. Um die ›25 Jahre VT 500 E‹ im Jahre 2008 hat sich natürlich mal wieder kein Schwein geschert.

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