Honda VT 500 E

Come Out on this Fine Honda

Kurventraining auf dem Heidbergring 2013

Kaffeebecher

Wollt ich doch mal wieder un­beschwert und bedenkenlos in Kurven reinhalten können, ohne dass Rollsplit, Sand, Rehe, Gülle­tankwagen etc. pp dahinter drohten.

Da bleibt einem hier im serpentinenfreien Schleswig-Holstein eigentlich nur die Rennstrecke. So eine gibt es auch tatsächlich auch, eine kleine nur, aber immer­hin: der Heidbergring.

Zweiradakademie

Da drauf veranstaltet (nicht nur) das Unternehmen Zweirad Akademie GmbH (ich schreib's im Weiteren ohne Deppenleerzeichen ›Zweiradakademie‹) übers Jahr auch jede Menge Kurventrainings; ein solches hatte ich bereits 2008 mal absolviert und wars zufrieden gewesen. Hab ich also die Wettervorhersage für den Termin am 14.9. belauert, empfand sie am 13.9. nicht sooo bedrohlich und hab also kurz vor knapp noch gebucht – was natürlich früher im Jahr nicht geht: da sind die Veranstaltungen schnell ausgebucht, so dass man im Zweifel auf der Warteliste sitzen und auf Absagen hoffen muss.

Die Veranstaltung ist von 7:30 bis 18 Uhr ausgewiesen. Wer um zehn vor acht da ist, hat auch noch nix verpasst. Trotzdem heißt das für mich: zwanzig nach fünf aufstehen, menno. Weil am frühen Morgen Nebel droht und mein Helmvisier doch etwas zum Beschlagen neigt, montiere ich noch schnell abends in einem Erst­versuch die Pinlock-Scheibe am Visier, was auch tatsächlich funktioniert. Und beschlagen tut dann auch nichts mehr.

Früh geht’s los

Das Frühaufstehen bewältige ich dann ebenfalls, nach Kaffee & Toast die Rolle mit Regenkombi, Regenhose, zwei Paar Ersatzhandschuhe, Sommerjacke und so auf den Gepäcker geschnallt und quer durch das sonnabendmorgendliche, schon eher wache Hamburg und zwei Stückchen leerer Autobahn nach Geesthacht gefahren, dann doch ganz ohne Nebel übrigens.

Dort noch mal fürn Zehner bisschen nachgetankt (wer nimmt schon ohne Not einen vollen 18‑Liter-Tank = 13,5 kg mit auf die Rennstrecke) und dann ab auf den Heidbergring, wo der Lehrkörper der Zweiradakademie schon fix am Aufbauen war.

Gleich nach dem Parken stürzt ein solcher Lehrkörper sich gleich auf jede Maschine und klebt mit Malerkreppband Rückspiegel und Geschwindigkeits­anzeige ab: ich soll mich aufs Wichtige konzentrieren, und das ist die nächste Kurve und das, was die vor mir Fahrenden so machen. Wie schnell ich fahre, ist egal, und das Überholen ist eh tabu, so dass mich auch nichts angeht, wie es hinter mir aussieht.

Abgeklebt: weniger Info ist heute mehrAbgeklebt: weniger Info ist heute mehr

Alle Vögel sind schon da

Außer mir sind noch so ca. 30 bis 40 Maschinen samt Fahrern da, in der über­wiegenden Mehrheit neuere vollverkleidete Sportmaschinen mit viel zu viel Leistung für den harmlosen, kleinen Heidbergring, wo Durchschnittsgeschwindig­keiten zwischen 45 und 60 km/h (ohne Gewähr) gefahren werden. Nicht soo wenige Teilnehmer sind mit der/den Maschine(n) aufm Hänger angereist. Das schadet auch gar nicht, müssen doch gleich fünf von den (Mittel)Schnellen stürzen. Das geht zwar dank der geringen Geschwindigkeiten ohne größere Schäden an Mensch und Material ab, ist aber trotzdem nervig und kostet doch Geld.

Nach einer Begrüßung samt Vorstellung des besagten Lehrkörpers (heute unter Thomas’ Vorsitz) gibt es ein paar ganz kurze Entspannungsübungen. Das klingt jetzt ein bisschen sozialpädagogisch-grün-esoterisch, ist es aber gar nicht. Mit zusammengekniffenem Kinnladen und Hintern und um den Lenker geklammerten Fäusten fährt es sich bekanntlich um Welten schlechter als mit lockerer, ent­spannter Muskulatur.

Danach darf man selbst einschätzen, ob man zu den Schnellen, den Mittel­schnellen oder den Langsamen gehören wolle. Ich war schon 2008 bei den Lang­samen, hab seitdem zwar durchaus Fortschritte macht, aber keine weltbewegen­den. Stelle ich mich also zu den anderen vier Langsamen – da sind dann auch keine Rennsemmeln mehr dabei, sondern eine 1200er Bandit, eine GS 500 E, eine Uralt-Goof und eine noch urältere SR 500, also zu ’ner gut abgehangenen PC11 passendes Material.

Solch alte Gerätschaften sind übrigens völlig ausreichend für ein Kurventraining auf dem Heidbergring. Rossi würde mich dort sicher auf einer 125ziger MZ in Grund und Boden fahren. Und in der langsameren der mittelschnellen Gruppen hält Brian auf einer 125ziger mit, muss allerdings hinten fahren, vermutlich, um die Nerven der anderen in der Gruppe beim Beschleunigen aus den Kurven heraus zu schonen. Den dabei verlorenen Boden kann er aber in den Kurven immer wieder gutmachen.

Bei den Langsamen

Unsere Instruktorin ist wie schon 2008 Anette. Sie hat mich dann auch wiederer­kannt – da kann ich nun darüber rätseln, ob der besondere Eindruck, den ich in irgendeiner Form gemacht haben muss, ein negativer oder positiver oder doch ohne besondere Wertung gewesen war.

Los geht's (jedenfalls bei uns Langsamen) wie üblich bei solcher Art Ver­an­staltungen: wie heiße ich, wo komme ich her, was erwarte ich mir vom Tag. Inzwischen fahren die Schnellen und Mittelschnellen schon mal ihre ersten Törns.

Fahrerlager ohne die SchnellenFahrerlager ohne die Schnellen – die stellen 50 % der Teilnehmer, daher ist es gerade so leer

Der Tagesablauf bei einem solchen Training ist Folgender: gefahren werden zehn Törns, je fünf vor und nach der zweistündigen Mittagspause. Dabei werden fünf­zehn Minuten gefahren, danach eine halbe Stunde lang Helm und Handschuhe ausgezogen, Besprechung abgehalten, manchmal der vorherige Törn auf Video beguckt, getrunken, gepinkelt, ein (all inclusive) Apfel gegessen, Helm und Hand­schuhe wieder angezogen und sich zum nächsten Törn aufgestellt. Während dieser halben Stunde fahren die Schnellen und Mittelschnellen ihre Törns. Und dann ist man selbst wieder eine Viertelstunde dran.

Langeweile kommt da keinesfalls auf, und abends braucht man auch erstmal keine Kurven mehr, nach ca. 10 Törns mal 10 Runden mal 7 Kurven= Stücker 700.

Das Trainieren

Bei unserem ersten Törn fährt die Anette voraus, wir im Gänsemarsch hinterher, beim zweiten Törn schert auf der Start-Ziel-Geraden derjenige genau hinter Anette auf ein Zeichen aus und die dritte Gans schließt auf, während die Aus­geschertseiende sich als Letzte hinten einordnet. So kommt jede/r in den Genuss, genau zu sehen, wie die Instruktorin fährt. Beim dritten oder vierten Törn dann fahren die Teilnehmer abwechselnd vorn, dürfen und müssen also Geschwindig­keit und Linie eine Runde lang selbst bestimmen und bekommen hinterher bei der Besprechung eine Rückmeldung zum Geleisteten und den Patzern. Mit einer PC11 kann man den ganzen Kurs im dritten Gang fahren, für die zwei Haarnadel­kurven der Strecke könnte man auch mal den zweiten nehmen, muss man aber nicht.

Im Rahmen der Besprechungen erläutert Anette die theoretischen Aspekte des Kurvenfahrens: Einlenkpunkt (hier sagt man ›Ablösepunkt‹ dazu), Schräglage, Lenkimpuls, Stützgas, wo die Füße auf den Rasten zu sitzen haben, Heraus­beschleunigen sowie Blickführung, Blickführung, Blickführung. Und nachdem sie hinter mir hergefahren war, verbietet Anette mir, aufm Sitz hin und her zu rutschen, wie ich das seit Neuerem so gern getan habe. Weil das so rumwackelt und mir Konzentration kosten soll. Na gut, dann eben ab jetzt nur so Schräglage ohne Rumrutschen.

Nach fünf Törns also Mittagessen – auf dem Speisenplan stehen Salat sowie Reis mit Geschnetzeltem mit Ananas. Daneben werden wir den Tag über mit Wasser, Apfelsaft, Kaffee, Äpfel und Bananen bei Kräften & Laune gehalten, nachmittags auch noch mit einem Stückchen Kuchen, Trockenobst, den unvermeidlichen Haribos etc.

Der Regen

Exakt um 14 Uhr nach dem Mittagessen geht’s los: obwohl ich beim Studium der Wettervorhersage und der Buchung gehofft hatte, der Regen, der für den Nach­mittag angesagt war, fängt erst um 17 Uhr an, stellt er sich bereits um 14 Uhr ein. Und hört auch nicht mehr richtig auf. Bäh. Er ist aber leicht genug, dass meine Uralt-Fahrradregenhose iVm meiner funktionsmembranbestückten Winter­jacke zum Schutz genügt und ich mich nicht in die schweißtreibende Regenkombi quälen muss. Die ungefütterten und deswegen auch nass leicht an- und aus­zu­ziehenden Sommerhandschuhe lass ich einfach durchregnen – kalt ist es nicht – und bedien mich später für die Heimfahrt aus den mitgebrachten Beständen mit trockenen Handschuhen.

Meine Sommerhandschuhe, hoffentlich bald verschlissen, damit es endlich neue geben kannMeine Sommerhandschuhe, hoffentlich bald verschlissen, damit es endlich neue geben kann

Aber beim ersten Regentörn, da bräuchte ich Schönwetterfahrer mindestens mental gern eine Windel. Kurvengeschwindigkeits- und damit Schräglagen­maximierung bei nasser Fahrbahn, bäh, wer will denn sowas. Na, aber der zweite Törn ist schon nicht mehr sooo nervenzerschleißend, und nachher fahren wir wahrscheinlich nur unwesentlich langsamer als vormittags im Trockenen, und alles ist gar nicht mehr schlimm.

Die fünf Nachmittagstörns werden übrigens anders als am Vormittag im Uhr­zeiger­sinn gefahren – man bekommt dann sozusagen einen neue Strecke kredenzt.

Leider verhindert der Regen aber doch, dass ich am Vorderreifen kurz vor dessen bevorstehenden Entsorgung nach dann 21.000 km doch noch die äußeren Nippel abfahre. Mindestens einen hat es bereits am Vormittag doch erwischt, und der Angstrand vorn ist nur noch zwei Millimeter breit; hinten sind es putzigerweise wesentlich mehr. Die Reifen vorn und hinten haben offensichtlich entscheidend andere Konturen.

Ende gut, alles gut

Nun gut, habe ich halt noch Nippel und Angstränder an den Reifen nach Ende des letzten Törns um halb sechs. Danach gibt es eine Verabschiedung inkl. Über­reichung der Teilnahmeurkunde (brauche ich nicht, aber zum Ablehnen ist man ja doch zu höflich) und Übereignung des morgens übernommenen Schlüsselbandes (mit Namenskärtchen und Zeitplans des Tagesablauf) sowie des Kaffeebechers, der jedem Teilnehmer des Morgens für den persönlichen Bedarf – nicht ohne vorherige Beschriftung – zur Verfügung gestellt worden war.

Zweiradakademie-Kaffeebecher, jetzt in den Fängen meiner lieben FrauZweiradakademie-Kaffeebecher, jetzt in den Fängen meiner lieben Frau

Mit so reichen Gaben versehen hole ich also meine Rolle aus der ›Kabine‹, binde sie auf den Gepäcker und schnüre mit trockenen Handschuhe eine Stunde und 65 Kilometer durch den, nein, nicht Schnür-, sondern nur leichten Regen und den frühabendlichen Hamburger Stadtverkehr nach Haus, schön entspannt mit V‑max hundertzehn.

Bildchen

Wer dringend mal ein paar Bildchen sehen will von einer PC11 beim Kurven­training, guckt auf der Galerie des Webauftritts der Zweiradakademie nach. Dort könntest du den 14.9.2013 wählen und mal durch das Angebot rollen.

Wenn du allerdings mal eine spektakulär bewegte PC11 bei einem ZA-Kurven­training sehen willst, musst du dir die Bilder vom 10.9.2011 ansehen. Dort kannst du bestaunen, wie der auf dieser Site schon häufiger erwähnte ›Knut‹ in der schnelleren Hälfte der Mittelschnellen reüssiert hat – wobei der Fotograf auf dem Höhepunkt von Knuts Schaffen, als er endlich ein Paar Knieschleifer geliehen bekommen hatte, gar nicht mehr vor Ort war.

Meine Empfehlung

Der Tag ist – wie schon 2008 – eine runde Sache, und es gibt kein einziges Haar in der Suppe. Und ich bin eigentlich leider sehr talentiert im Auffinden von Haaren in Suppen und Splitter in den Augen des Nächsten. Wenn du mal irgend­eine Form des Motorradtrainings brauchst: ich kann die Zweiradakademie em­pfehlen – der Heidbergring ist natürlich bei Weitem nicht ihr einziger Ver­anstaltungs­ort.


Der Tag mit der Street Triple

Street Triple von vorn

Die Triumph Street Triple war schon immer einer meiner the­o­re­­ti­schen Favo­ritinnen unter den neu­­modernen Motor­rädern: sie ist

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Literatur von Honda

Titelseite Werkstatthandbuch VT 500 C

An Honda-Druckwerken gibt es (in verschiedenen Varianten je nach Modell):

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Die liebe Verwandtschaft

VT 500 FT Ascot

Ich weiß von drei bis vier bis fünf – je nach­dem, wie man die Un­ter­schie­de zwi­schen den Model­len be­wertet – Schwes­ter­model­len der PC11.

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Nachkommen

Honda NTV 650

Die VT‑500-Familie war komplett neu konstruiert ohne Vorfahren in der Honda-Modellpalette. Aber Nachkommen, die hatte die VT 500.

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1 Jahr vt-500-e.​de

Site

Am 16. März 2009Und es hatte na­tür­lich seine Be­wandt­nis mit der Wahl ge­nau die­ses Tags – der 16. März 1984 war Erst­zu­las­sungs­tag mei­ner PC11, sie wurde am be­wus­sten Tag also flot­te 25 Jahre alt, die Gute. er­blick­te www.vt‑500‑e.de das Licht des Webs und ist al­so ein stol­zes Jahr alt ge­wor­den.

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Bücher

Clymer & Schrauberhandbuch

Einen Bucheli gibt es zwar nicht, al­ler­dings ei­nen Clymer für den­je­ni­gen, der mit der eng­li­schen Spra­che aus­rei­chend klar kommt:

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Treffen der Oldtimer-Zweirad-Freunde Itzehoe, Juni 2011

Panorama

Der erste Sonntag im Juni, da war er wieder, und also auch das Treffen der Old­timer-Zweirad-Freunde Itzehoe, beim TÜV in Wellenkamp. Anders als 2010 war ich pünktlich vor Ort, und es gab tatsächlich mehr zu sehen, als wenn man spät­auf­steher­mäßig um 13 Uhr auch mal gucken kommt.

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Internationale Presse­schau

Ohne

Die PC11 wurde außer in Deutsch­land natürlich auch in weiteren Staaten (West-) Europas ver­trie­ben, und die dortige Motor­rad­presse hat über das Motor­rad unserer Wahl ge­schrie­ben. Die bis­heri­gen E­rgeb­nisse mei­ner Re­cher­chen findest du in dieser Rubrik.

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Viva PC11: 50.000 Kilometer

50.000 km

Hab ich doch zum Saison­ab­schluss zwanzigelf mit meiner PC11 noch schnell mal die 50.000 Kilometer voll gemacht; davon stammen 29.000 Kilometer von mir per­sön­lich. Das ist eigentlich nicht soo erwähnenswert, andere PC11 haben wesent­lich mehr runter, aber weil’s so eine schöne Zahl ist, hier doch zur Feier eine Kurz­rück­schau, was die tech­ni­sche Seite angeht:

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VT 500 auf der Nordschleife oder: Kurvensuhlen am Ring

Reinhard (Riederer) alias superbikeschreck hat – natürlich mit seiner umgebauten PC08 – die Nordschleife des Nürburgrings in Angriff genommen und erzählt hier die Geschichte …

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