Honda VT 500 E

Come Out on this Fine Honda

Noch’n Helm – HJC R-Pha Max

Tja, hab ich doch meinen guten alten Schuberth Concept in Rente geschickt und einen HJC R‑Pha Max ins Rennen geworfen. Der hatte fast den Klapphelmtest in der MOTOR­RAD 8/2012 gewonnen – nur der in Gold aufgewogene Shoei Neotec war besser, fand MOTORRAD. Den Test gibt es frei zugänglich auf HJCs Site nach­zulesen. Auch die Motorrad News war in Ausgabe 6/2013 voll begeistert und hat den R‑Pha Max noch vor dem Gold-mit-Diamanten-Neotec gewinnen lassen.

Probiert hatte ich den Helm dann schon mal bei Polo in Hamburg, passte soweit, aber ich wollt’ natürlich eine Rabattaktion abpassen. Und was war? Macht doch der letzte verbliebene Polo-Laden in der Weltstadt Hamburg einfach zu! Und ich hatte doch den 50‑Euro-Weihnachtsgutschein (oder brachte der 100 Euro?)!!! Aber wenn schon Versandkauf, dann auch richtig: kurz vor Weihnachten fand sich in der Bucht ein unwiderstehliches Supersonderangebot, das sogar noch Polos Katalog­preis minus Gutschein unterbot, und ich kriegte der Klapper unter den Tan­nen­baum. In Weißmetallic, passend zu meinem Schimmelchen.

So sieht’s aus

Der Helm sieht leider martialischer aus als solch ein biederer Concept und ist somit nicht so richtig altersgerecht, sowohl was mich als auch was unsere PC11 angeht. Das indiskrete ›HJC‹ auf der Stirn scheint sich immerhin leicht ab­knibbeln zu lassen, noch isses aber dranne.

So sieht er aus, so ein HJC R-Pha MaxSo sieht er aus, so ein HJC R-Pha Max   R-Pha Max von hinten mit Sonnen­blendenschieberR-Pha Max von hinten mit Sonnen­blendenschieber

Ausstattung

Das Zweite, was auffällt: der Helm ist wirklich sehr viel leichter als so ein Uralt-Concept, was ihn zwar auch subjektiv flötiger erscheinen lässt, aber nicht nur beim Tragen in der Hand, sondern auch beim Fahren ist das geringere Gewicht deutlich spürbar; sehr schön, das. Ausgestattet ist der Helm mit Sonnenblende, Pinlock-Visier, Atemabweiser, Zusatzwindabweiser fürs Kinn, Helmbeutel und Mikro­ratschenverschluss.

Abfahrt

Aber nun endlich mal zu den Eindrücken beim Fahren. Über das angenehm ge­ringe Gewicht schrieb ich schon, der Widerstand, den der Helm dem Wind ent­gegensetzt, ist wesent­lich ge­ringer als beim Concept, die Geräuschentwicklung ist ebenfalls um zwei Größenordnungen niedriger. Man könnte es sogar fast wagen, ohne Gehör­schutz zu fahren.

Nach ein bisschen Rumprobieren hab auch ich das Lüftungskonzept verstanden. Wenn alle Klappen und Visiere zu sind, zieht es nicht, mir jedenfalls nicht. Das ist ja mal ein Anfang. Die ›Stadtstellung‹ des Concept-Visiers vermisse ich aber ein biss­chen.

Die Belüftung des Oberkopfes ist ausgesprochen wirkungsvoll – sprich, sobald es ein bisschen kühler ist, muss die dringend verschlossen werden. Dafür gibt es einen kleinen Kipp›schalter‹, ganz oben auf dem folgenden Foto. Darunter sitzt der Taster zum Heben sowie der Schieber zum (dreistufigen) Ab­senken des Sonnenvisiers und zwei Entlüftungshutzen für die Ober­kopf­belüftung.

R-Pha Max von obenR-Pha Max von oben

Der neumoderne Mikroratschenverschluss gefällt mir sehr gut: einfach zu bedienen und passt sich der aktuellen Bekleidungsdicke am Hals an, anders als der Würg-​oder-Schlacker-​Klickverschluss des Concepts.

Bleibt zu hoffen, dass im Fall des Falles der Ersthelfer am Umfallort sofort durch­schaut, wie der Verschluss zu öffnen ist. Weil: nach einem Umfall muss der Helm immer ab, aus dem einfachen Grunde, dass viele schwer verletzte Unfallopfer im Rahmen des Schocks erbrechen. Das Erbrochene muss unbedingt abfließen können. Wird es nämlich eingeatmet und gelangt in die Lunge, führt das häufig zu einer lebens­bedrohlichen Lungenentzündung, die wesentlich gefährlicher ist als ›nur‹ ein paar gebrochene Knochen.

Ein Klapper wie der R‑PHa Max lässt sich aber natürlich öffnen, um das Schlimmste zu verhindern, auch wenn es so mit der stabi­len Seitenlage immer noch nicht wirklich klappt.

MikroratschenverschlussMikroratschenverschluss

Insgesamt fährt es sich mitm R‑Pha Max mindestens zwei Klassen besser als mitm Concept.

Durchblick

Die Pinlock-Scheibe ist nicht vorinstalliert, sondern liegt nur bei; ich hatte sie erst­mal nicht angebaut, weil ich befürchtete, dass der Durchblick durch die zu­sätz­liche Scheibe leidet, insbesondere im Dunkeln, wenn sich neben Visier und Brille auch noch in der Pinlock-Scheibe das Licht eklig brechen kann.

Den Atemabweiser müssen Brillen­träger wie ich nahtlos entsorgen, weil der Atem zwar vom Visier weg-, dafür aber direkt zur Brille hingeleitet wird, um diese zu beschlagen. Den Zusatz­wind­abweiser für unters Kinn hab ich angeklettet, stört nicht weiter und macht's viel­leicht ein bisschen leiser.

Windabweiser zum KlettenWindabweiser zum Kletten (das Dingens, auf dem ›HJC‹ eingeprägt ist)

Und jetzt der kleine Wermutstropfen im HJC-Wein: Beim Fahren beim ersten feuchteren Frühlingsabend hab ich dann auch feststellen müssen, warum HJC Atemabweiser und Pinlock-Scheibe spendiert hat: Das Visier neigt nämlich zum Beschlagen, jedenfalls wesentlich stärker als das des Concepts.

Und als dann eine frühmorgendliche Nebelfahrt gedroht hatte, hab ich die Pin­lock-Scheibe schließlich doch lieber montiert. Der Nebel war zwar ausgeblieben, aber die allgemeine Beschlagssituation ist so viel besser geworden, dass ich die Scheibe dran­ge­lassen habe, auch wenn sich im Dunkeln – wie erwartet – mehr Reflexionen im Sichtfeld ein­gestellt haben als ohne die Pinlock-Scheibe.

Die Sonnenblende ist eher heller als die des Concepts. Hm. Ich gebrauche die Son­nen­blende eher tatsächlich als ›Blende‹ (wie im Auto) und weniger als ›Visier‹ (zum Durchgucken); da könnte sie gern sehr dunkel sein, die Blende. Aaaber für um und bei 20 Euro verkauft der HJC-Händler gern eine extra dunkle Variante mit der Bezeichnung ›Sun Visor HJ-V7 Dark Smoke‹. Daneben wären noch Smoke (ohne ›Dark‹, vermutlich die Variante, die serienmäßig im Helm ist) und Amber, also bernsteinfarben, im Sortiment. Der Austausch geht angeblich kinderbaby­leicht.

Die Bedienung der Sonnenblende ist so lala. Eigentlich soll man es in drei Stufen absenken können, ich treffe meist nur zwei. Die stufenlose Be­dienung beim Concept gefällt mir jedenfalls besser. Außerdem fummel ich lieber an der Seite rum zur Verstellung der Blende als oben auf dem Kopf, wie beim HJC nötig.

Sonnenblende voll ausgefahrenSonnenblende voll ausgefahren

Zur Verarbeitung und Solidität kann ich im Augenblick noch nichts sagen; meinen Eindruck werde ich nach zwei, drei Saisons hoffentlich nachliefern können.

Lagerunfreundlichkeit

Der kluge Motorradfahrer lagert seinen Helm in Pausen einfach auf dem Boden Da hat er – der Helm – keine Chance, von der Sitzbank zu fallen, und die Helm­innereien verschmutzen nicht, anders als wenn der Helm auf den dreckigen Spie­gel gesteckt wird. Der Boden ist aber feucht und/oder schmutzig? Kein Problem beim Concept: das Futter ist an der Helmunterseite vollständig aus Kunstleder. Also mitm Handschuh drübergewischt und der Helm ist wieder lecker. Beim HJC ist der untere Abschluss teilweise in Textil ausgeführt – und verschmutzt dauer­haft, wenn der Helm auf den Boden gesetzt wird. Extrem unschönes Detail.

Unten pfui: der HJCUnten pfui: der HJC

Wusstest du schon? Der oben bereits erwähnte kluge Motorradfahrer steckt keinesfalls die notwendigerweise dreckigen Handschuhe in den Helm. Du bist ungläubig? Dann könntest du unter Ignorierung jeglicher Sicherheits­vor­keh­run­gen – lieber im Hochsommer – testweise zwanzig Kilometer ohne Hand­schuhe fahren und dir hinterher deine Hände anschauen. Diesen ganzen Dreck, den du darauf jetzt siehst, transportiert sich der nicht ganz so kluge Handschuhe-in-den-Helm-Stecker über den Umweg Helmfutter in die Haare, mindestens aber in die Sturmhaube.

Mein Fazit

Mit dem Kauf bin ich sehr zufrieden; der Helm ist die echte Verbesserung gegen­über dem Concept, die ich mir angesichts der vielen Jahre erwartet hatte, die zwischen den Kon­struk­tionen liegen.


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