Honda empfiehlt (schreibt vor?), in der Teleskopgabel als Dämpfungsmedium ATFAutomatic Transmission Fluid = Automatikgetriebeöl zu verwenden. Klingt komisch, ist aber so, und gilt auch für diverse (alle?) andere Modelle aus diesen Zeiten, nicht nur Hondas.
Für Getriebeöle – wie ATF ja eines ist – gibt es eine eigene SAE‑Norm. Ein Getriebeöl mit einem SAE‑Wert von 80 entspricht in seiner Viskosität etwa einem Motoröl mit SAE‑Wert von 20. Zur Erinnerung: je niedriger der SAE‑Wert ist, desto dünnflüssiger ist das Öl.
Gabelöle werden nach Motoröl-SAE‑Norm klassifiziert. Die Viskosität von ATF entspricht etwa (Motor- und Gabelöl-) SAE 7 bis 10, je nach Produkt.
Wenn du ATF verwendest, kannst du auf der einen Seite nicht soo viel verkehrt machen – Honda hat es ja vorgemacht. Auf der anderen Seite kann man damit die Gabelcharakteristik nur in kleinem Rahmen variieren, wenn überhaupt. Verwendet man Gabelöle, hat man die Wahl zwischen SAE‑Werten mindestens zwischen 5 und 20 und kann – wenn man den Bedarf in sich fühlt – auch durch Mischen eine Gabelfüllung mit ganz individueller Viskosität kreiieren – 50 % Öl mit SAE 5 plus 50 % Öl mit SAE 10 = Öl mit SAE 7,5.
Fühlt sich die Gabel ›stuckerig‹ an, ist die Dämpfung vielleicht zu stark und ein dünneres Gabelöl (also eines mit einem geringeren SAE‑Wert) mag das Ansprechverhalten der Gabel verbessern.
Außerdem sind auch Mehrbereichs-Gabelöle wie etwa SAE 10W‑20 verfügbar, die gewährleisten/versprechen, dass sich das Dämpfungsverhalten der Gabel bei hohen Außentemperaturen und/oder starker Erwärmung der Gabel durch hohe Beanspruchung weniger stark ändert.
Hersteller von Gabelfedern geben in der Regel eine Empfehlung aus, Öl welcher Viskosität zusammen mit ihren Federn verwendet werden und wie groß die Luftkammer sein sollte. Auf Grundlage dieser Empfehlung steht dir natürlich frei, zu variieren. Bei einer VT mit 50‑kg‑Frau plus Lippenstift auf glatten deutschen Straßen fallen die vom Dämpfer zu dämpfenden Impulse auf die Federung natürlich ganz anders aus als bei einer bis zum Maximum beladenen Maschine auf dem Weg durch die Schlaglöcher nach Timbuktu. Bei ersterer Einsatzart ist ein dünneres (niedrigerer SAE‑Wert), bei letzterer ein dickeres Öl (höherer SAE‑Wert) angesagt.
Alles in allem kann man mit ATF in der Gabel eventuell gut – und vor allem viel günstiger, weil Gabelöl sehr viel teurer ist als ATF – fahren, oft wird aber ›richtiges‹ Gabelöl die bessere Wahl sein.
Das Thema ATF versus Gabelöl in der Gabel wurde und wird auch lang und breit in den üblichen Web-Foren erörtert. Google zeigt dir, wo.
Wie das Gabelöl (und die Gabelfedern, die Arbeiten unterscheiden sich nicht) zu wechseln ist, findest du anderswo auf dieser Site beschrieben. Und ein wirklich amtlicher Artikel zur Gabelreinigung, Gabelfeder und Gabelöl findet sich auf Johannes Doleceks Site xbr.de rund um die Honda XBR 500 (PC15) und GB 500 Clubman (PC16).



