Honda VT 500 E

Come Out on this Fine Honda

Vergaser reinigen

Schaumstoffkrümel

Die Reinigung der Vergaser – eine Arbeit, von der ich persönlich immer verschont geblieben war. Letztens musste ich die Vergaser aber einmal ausbauen, um an die Ventildeckel zu kommen, und habe sie aus Lange­weile geöffnet und inspiziert.

Einzige Verschmutzung, die zu finden war: mutmaßlich Schaumstoffkrümel eines LuftfiltersEinzige Verschmutzung, die zu finden war: mutmaßlich Schaumstoffkrümel eines Luftfilters

Es war erfreulicher­weise (fast) alles picobello da­rin­nen. Ich führe das auch da­rauf zu­rück, dass ich ein­mal in der Saison eine Por­tion guten Pro-Tec Fuel Line Cleaner in den Tank kippe. Falls du Ersatzteile für die Vergaser benötigst: Infos dazu gibt es anderswo auf dieser Site.

Falls du die Kreuzschlitzschrauben für Schwimmerkammerdeckel und Membran­ge­häuse­deckel durch ordentliche Innen­sechs­kant­schrauben ersetzen möchtest: du be­nötigst für ersteren Deckel vier Stück M4×14 plus kleine Unterlegscheiben (Au­ßen­durchmesser = Durchmesser des Schrauben­kopfes), für letzteren vier Stück M4×8, jeweils pro Vergaser. Ich hab’s übrigens nicht gemacht; originalen Schrau­benköpfe haben durchs Öffnen und Festziehen nicht sichtbar gelitten (und ich hatte auch keine M4×8 zur Hand).

›Mingemuelle‹ hat die Vorgehensweise zuvor in einem Beitrag in Hawkwinds VT-500-Forum ausführlich und reich bebildert beschrieben und freundlicherweise er­laubt, den Beitrag hier etwas überarbeitet und erweitert wiederzugeben:

Vorbereitungen

Ab jetzt solltest du vielleicht besser aufs Rauchen beim Schrauben verzichten.

  • Stelle die Maschine auf den Hauptständer, baue Sitzbank und Seitendeckel ab.
  • Lasse das Benzin aus den Schwimmerkammern ab.
  • Löse den Haltebolzen hinten am Tank und ziehe am Benzinhahn die Schläuche für Kraftstoff und Unterdruck ab – hierbei kann etwas Benzin auslaufen. Ziehe den Tank nach hinten/oben von den Gummilagern vorn am Rahmen herunter.

Haltebolzen hinten am TankHaltebolzen hinten am Tank     BenzinhahnBenzinhahn

Vergaser ausbauen

  • Löse das Verkleidungsblech und entferne es. Demontiere den Halteapparat zur Einstellung des Gasgriffspiels mit einem 7er Ringschlüssel – das Spiel muss dann nach dem Wiedereinbau nicht neu eingestellt werden. Hänge die Gaszüge aus.

Blende vor den GaszügenBlende vor den Gaszügen     Das Chokeventil ist freigelegtDas Chokeventil ist freigelegt

  • Löse die Chokeventile mit der Hand (ziehe sie auch später wieder nur mit der Hand an). Beim Drehen queruliert die Kunststoffmutter gern. Nach einem Spritzer Silikonöl lässt sie sich leichter drehen; die Zughülle dreht sich nicht mehr so hart­näckig mit. 

Jetzt ist der Luftkasten im ›Rückgrat‹ der Maschine dran.

  • Löse die Kabel und Schläuche an den oberen Rahmenzügen, um Platz zu schaf­fen. Löse dann die Schellen der Verbindung zum Luftfilterkasten und die Schel­len an den beiden Vergaserflanschen. Nimm den Kasten nach oben heraus, es braucht etwas Druck dazu oder einen kurzen, trockenen Schlag nach oben.
  • Ziehe die Entlüftungsschläuche oben an den Vergaser ab.

Chokeventile und Luftkasten sind entferntChokeventile und Luftkasten sind entfernt

  • Löse die beiden oberen Schellen der Vergaserstutzen; die Stutzen verbleiben am Zylinderkopf. Löse jetzt die Vergaser mit kurzem sanften Ruck nach oben, und nimm sie nach links aus dem Rahmen.
  • Ziehe die Kraftstoffleitung zum rechten (vorderen) Vergaser vom T-Stück ab – sie wäre sonst später im Weg.

Vergaser nach links herausnehmenVergaser nach links herausnehmen

Membran

Auf der sauberen Werkbank geht es jetzt an die Pflege:

  • Entferne die mit vier Kreuzschlitzschrauben verschraubten verchromten Mem­bran­gehäuse­deckel. Beachte dabei die Einbaulage, damit nach dem Einbau die Luftführung gewährleistet ist.

Vergaser auf der WerkbankVergaser auf der Werkbank

  • Wenn der Deckel herunter ist, kommt dir eine schlabbrige Feder entgegen, deren Einbau­lage eindeutig ist. Als Erstes ist die Membran zu sehen; sie ist mit dem Kolben und der seinerseits mit der Nadel verbunden; die Baugruppe kann einfach nach oben herausgezogen werden. Inspiziere das Vergaser­gehäuse auf Riefen, Ablagerungen und ähnlichem. Reinige die Membran mit Silikonöl und überprüfe sie vorsichtig auf Risse. Repariere oder ersetze sie gegebenenfalls, auch wenn das teuer wird. Pflege die Kolbenoberfläche sparsam etwa mit WD40 oder Ballistol. Baue sie noch nicht wieder ein.

Blick von oben in den VergaserBlick von oben in den Vergaser     Membran, intaktMembran, intakt

Schwimmerkammer

  • Drehe den Vergaser herum, um die Schwimmerkammer zu öffnen.

Vergaser von unten – SchwimmerkammerdeckelVergaser von unten – Schwimmerkammerdeckel

  • Löse dazu die vier Kreuzschlitzschrauben. Nimm den Deckel vorsichtig ab und lege ihn beiseite. Keine Sorge, es kommen dir keine Innereien entgegen. So sieht es in der Kammer aus:

Blick in die SchwimmerkammerBlick in die Schwimmerkammer

  • In der Mitte befinden sich die Düsen aus Messing. Zwei dieser Düsen kannst du einfach mit (7er) Ringschlüssel und Schlitzschraubendreher ausbauen. Die dritte ist mit dem Vergasergehäuse verpresst und muss an Ort und Stelle verbleiben – und genau diese macht meines Wissens den entscheidenden Unterschied aus zwi­schen dem 20- und dem 37-kW-Vergaser. In den Düsen finden sich bei un­se­ren Youngtimern häufig allerlei Ablagerungen, die die Öffnungen verstopfen und so einem korrekten Motorlauf im Wege sind. Nachdem die Düsen ausge­baut und im Ultraschallbad gereinigt wurden (es genügt dazu ein einfaches Ge­rät, wie es im­mer wieder mal auch beim Lebensmitteldiscounter deines ge­ring­sten Miss­trauens zu erwerben gibt), sehen sie so aus:

Düsen und DüsenlehreDüsen und Düsenlehre

  • Im Handel gibt es das auf dem Foto oben zu sehende Werkzeug – eine Düsen­lehre. Damit kannst du die Düsenbohrungen (sie verlaufen radial im Düsen­körper) ausmessen und/oder Restdreck aus den Bohrungen entfernen. Auf jeden Fall solltest du alle Bohrungen des Vergasers und auch der Düsen mit Druckluft (wenn es dir an einem Kompressor mangelt, gibt es die auch – teuer – aus der Dose) kräftig ausblasen. Verwechsle beim Wiedereinbau die Haupt­düsen nicht! Diejenige des linken/hinteren Vergasers hat die Größe 125, die des rechten/vor­deren die Größe 118 (37‑kW‑Version). Mutmaßlich soll das fettere Gemisch dem hinteren Zylinder eine bessere Innenkühlung bescheren, da er vom Fahrt­wind weniger gekühlt wird als der vordere.

Mit Druckluft ausblasenMit Druckluft ausblasen

Schwimmerventil

Baue auf jeden Fall die Schwimmer aus, um die Schwimmerventile zu prüfen, da­mit deine schöne VT nicht in Gefahr läuft abzusaufen – wenn nämlich ein Defekt des Benzin­hahns auf einen Defekt des Schwimmerventils trifft, kann es passieren, dass das Motorgehäuse voll Benzin läuft.

  • Ziehe zum Ausbau des Schwimmers einfach den Haltestift heraus und und nimm den Schwimmer heraus. Hänge die Ventilnadel aus; prüfe sie auf Gängigkeit und vor allem die kegelförmige Spitze auf Verschmutzung und Deformation. Ersetze das Ventil gegebenenfalls.

Schwimmer ausbauenSchwimmer ausbauen     Schwimmer samt VentilnadelSchwimmer samt Ventilnadel     Schwimmerventil mit darunterliegendem FilterSchwimmerventil mit darunterliegendem Filter

  • Unter dem Sitz des Schwimmerventils befindet sich ein Filter. Den erreichst du, in­dem du das Ventil mit einem 10er ¼-Zoll-Steckschlüsseleinsatz (alias Nuss) he­raus­drehst. Prüfe den Filter auf Verschmutzung und reinige ihn gegebenen­falls.
  • Vergiss nicht, auch das Röhrchen für die Kraftstoffzufuhr durchzublasen.

Und alles wieder zusammen

So, jetzt hast du die wichtigsten Komponenten des Vergasers geprüft und ge­rei­nigt, sodass du alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen kannst.

  • Hänge das Schwimmernadelventil wieder am Schwimmer ein, und führe es in den Ventilsitz ein; setze zum Schluss den Führungsstift ein. Prüfe Gängigkeit und Schwim­merbewegung gemäß WHB (eine Beschreibung würde den Rahmen die­ses Beitrags sprengen). Der Schwimmerstand war bei ›Mingemuelles‹ Messun­gen aber immer korrekt, und er misst die Füllhöhe im eingebauten Zustand über die Ablassschraube mittels eines transparenten Schlauchs unter Nutzung des Prinzips der kommunizierenden Röhren.
  • Schraube die Düsen wieder ein und ziehe sie – mit Gefühl – fest.
  • Säubere jetzt die Nut für den Schwimmerkammerdeckels und streiche sie dünn mit Fett ein, dann hat du eine faire Chance, dass die gebrauchte Dichtung – neu im Zubehörhandel für etwa 7 Euro zu haben – auch weiterhin dicht hält. Wenn sie es aber nicht tut, merkst du es erst im Fahrbetrieb, eventuell auch erst ein paar Wochen später. Dann hast du das Schwierigste der Arbeit nochmal an der Backe: den Quälkram mit den Stutzen und dem Luftkasten beim Aus- und Ein­bau der Vergaser. Da machen es einem Reihenmotoren denn doch einfacher. An denen kann man die Schwimmerkammern meist bei eingebautem Vergaser um­standslos ab- und wieder anmontieren.

Dichtung der Schwimmerkammer, leicht eingefettetDichtung der Schwimmerkammer, leicht eingefettet

  • Setze den Deckel nun auf und verschraube ihn, mit Gefühl.
  • Reinige die Nut oben am Gehäuse und fette sie leicht, setze die Düsennadeln mit Kolben und Membran von oben wieder vorsichtig ein. Drücke die Mem­brane in die Nut ein, beachte den korrekten Sitz: die Öse muss über der Lüf­tung sitzen.
  • Setze die ›Schlabberfeder‹ in den Kolben ein, und setze den Membran­ge­häuse­deckel passgenau auf die Feder. Achte beim Aufsetzen des Deckels darauf, dass der Sitz des Stichs über der kleinen Bohrung liegt. Verschraube den Deckel – wiede­rum mit Gefühl. Prüfe die Leichtgängigkeit des Gleich­druck­kol­bens: er muss sich leicht hoch drücken lassen und sanft & gleichmäßig hin­ab­gleiten – es darf nichts hakeln.
  • Montiere die Benzinleitung zum Vergaser des vorderen Zylinders.
  • Pflege die am Kopf verbliebenen Ansaugstutzen, etwa mit Silikonöl.

Und es wächst zusammen, was …

  • Setze die Vergaser von links wieder in die Maschine ein. Mit dem Silikonöl auf den Stutzen sollten die Vergaser mit ein bisschen Druck gut hineinflutschen.

Da müssen sie reinDa müssen sie rein

  • Setze nun die Entlüftungsschläuche oben am Vergaser wieder auf.
  • Letzter fummeliger Punkt ist die Montage des Luftkastens. Schmiere alle Muffen mit etwas Silikonöl. Etwas Nachdruck ist bei der Montage schon vonnöten. Pro­ble­matisch ist, dass gelegentlich das Zwischen­stück des vorderen Zylinders aus dem Rumpf­gehäuse rutscht und wieder hineingefummelt werden muss. Außer­dem muss das Zwischen­stück des hinteren Zylinders exakt ausgerichtet werden, dann passt es irgendwann …
  • Ziehe alle Schellen an, drehe die Chokeventile (mit der Hand) hinein, hänge die Gaszüge wieder ein und schraube sie fest. Setze die Blende vor den Gaszügen wieder auf.

Letzter Akt: Tank etc.

  • Und nun ist der Tank an der Reihe: schiebe ihn von hinten/oben auf die vor­de­ren Gummilager und ziehe den hinteren Haltebolzen fest.
  • Stecke den Kraftstoff- und den Unterdruckschlauch wieder auf.
  • Sitzbank drauf, Seitendeckel dran, und du bist fertig.

Du solltest lieber schön langsam und gemütlich arbeiten. Der Zeitaufwand bei dei­nem ersten Mal wird wohl zwei bis drei Stunden betragen. Nach dem Zusam­men­bau sollte der Motor (nach einem gewissen Zeit des Anlasserorgelns – die Schwim­mer­kammern müssen ja erst wieder gefüllt werden, man beachte aber auch diesen Tipp) problemlos wieder laufen. Einzustellen ist zunächst nichts an den Vergasern.


Tankdeckelentlüftung prüfen

Tankdeckel

Jeder Kraftstofftank verfügt über eine Belüftung – dasselbe Vo­lu­men an Kraft­stoff, der un­ten aus­fließt, muss etwa zeit­gleich oben an Luft ein­strö­men kön­nen.

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Kunststoff- und Gummiteile pflegen

Armor All

Kunst­stoff- und Gum­mi­tei­le müs­sen ge­pflegt wer­den. Im Laufe der Zeit dif­fun­die­ren vor allem die so ge­nann­ten Weich­ma­cher aus dem Ma­te­ri­al he­raus, be­son­ders, wenn es dem Son­nen­licht aus­ge­setzt ist. Die Bau­teile wer­den un­an­sehn­lich grau, sprö­de und ris­sig.

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Zündkerzen wechseln

Alt gegen neu

Bei mitteleuropäischen Klima­ver­hältnissen braucht die VT (vier!) Zünd­kerzen bei­spiels­weise des Typs NGK DPR8EA‑9.

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